Stimmt es, dass die Dienstreise Arbeitszeit ist?

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Wenn Sie auf einer Dienstreise unterwegs sind, dann stellt sich die Frage, ob und wieweit die Dienstreise zur Arbeitszeit gehört. Wie sieht das mit der Fahrtzeit aus, mit der Reisezeit? Gilt das bereits als Arbeitszeit? Hier finden Sie Antworten auf folgenden Fragen rund um die Dienstreise als Arbeitszeit:

Was verstehen wir als Dienstreise?

Reisetätigkeiten, die aus beruflichen Gründen erfolgen, werden als Dienst- oder Arbeitsreise bezeichnet. Das können Fahrten zu Ausstellungen und Messen sein, aber auch Reisen zu anderen Firmenstandorten oder zur Messe bzw. Ausstellung. Auch Anreisen zu Tagungen, Seminaren und anderen beruflichen Veranstaltungen werden als Dienstreise definiert. 

Eine Dienstreise ist allerdings nicht mit dem Dienstgang oder dem Arbeitsweg gleichzusetzen. Denn der Dienstgang gilt als eine Situation, wenn etwa über Stunden hinweg ein Kundentermin in einem anderen Stadtteil stattfindet. Sicherlich müssen Sie auch hier Ihr Büro verlassen, doch das ist trotzdem noch keine Dienstreise. Oft muss auch der Einzelfall betrachtet werden. Denn ein Dienstgang in einer Großstadt wie Berlin wird vermutlich aufwändiger sein als ein Dienstgang in einer Stadt im ländlicheren Umfeld.

Der Arbeitsweg wiederum ist die Wegstrecke, die Sie als Pendler auf sich nehmen. Der Arbeitsweg liegt in Ihrer Freizeit, auch wenn dieser mehrere Stunden dauert. Er wird nicht der Dienstreise oder der Arbeitszeit hinzugerechnet. Sie sind allerdings während des Arbeitsweges versichert, jedenfalls so lange, wie Sie keine Umwege aus privaten Gründen einlegen.

Wird die Reisezeit als Arbeitszeit verbucht?

Ein aktuelles Gerichtsurteil bejaht diese Frage. Das Bundesarbeitsgericht hat im Falle eines Bauunternehmers entschieden, dass die Reisezeit als Arbeitszeit vergütet werden muss. Der Arbeitnehmer wurde in diesem Fall auf eine Reise nach China geschickt. Die Reisezeit betrug 40 Stunden für die Hin- und Rückreise, der Arbeitgeber wollte allerdings nur 8 Stunden pro Reisetag vergüten.

Dieses Urteil ist allerdings nicht auf jeden individuellen Fall und auch nicht auf jede Branche anzuwenden. Hierfür spielt auch die Erklärung des Gerichts eine entscheidende Rolle, die zum Zeitpunkt der Verfassung dieses Textes noch nicht vorliegt. Doch welche Regeln gelten bisher bei der Reisezeit? Wie sieht die bisherige Rechtslage aus?

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Wann gehört die Fahrzeit auch zur Arbeitszeit?

Wenn Sie geschäftlich während Ihrer regulären Arbeitszeit mit dem Auto, im Zug oder mit einer Fähre unterwegs sind, dann gehört die Fahrtzeit auch zur Arbeitszeit. Ganz unabhängig davon, ob Sie diese Fahrt für die Arbeit nutzen oder ein Nickerchen machen.

Auch dann, wenn Sie den eigenen PKW nutzen um zum Kunden zu fahren, gilt das als Arbeitszeit. Allerdings nur unter der Voraussetzung, dass dies vom Arbeitgeber entsprechend verlangt wird. Entscheiden Sie sich ohne Anweisung durch den Arbeitgeber, mit dem eigenen Auto zu fahren, dann ist diese Fahrt nicht als Arbeitszeit zu rechnen. Es sei denn, der Arbeitgeber genehmigt dies nachträglich.
Auch ein Beifahrer darf sich die Stunden nur als Arbeitszeit notieren, wenn die Fahrt während der regulären Arbeitszeit stattfindet. Wer Reisen als LKW-Fahrer oder Reiseleiter unternimmt, befindet sich natürlich immer in der Arbeitszeit.

Ist die Anreise zur Dienstreise Arbeitszeit?

Obwohl der Mitarbeiter in dieser Zeit nicht arbeitet, ist diese Frage positiv zu beantworten. In dem Moment, in dem der Arbeitnehmer in den Zug oder in das Taxi steigt, um die Dienstreise anzutreten, beginnt schon die Arbeitszeit. Etwas komplizierter wird dies beurteilt, wenn der Arbeitnehmer in Gleitzeit mit einer Kernarbeitszeit (bei ca. 4 Stunden) arbeitet. In diesem Fall spielt die Zeiterfassung entsprechend der Betriebsvereinbarung eine maßgebliche Rolle.

Wer im Außendienst tätig ist und auf Reisen arbeitet, kann davon ausgehen, dass die Reisen als ein Teil der regulären Arbeitspflicht entsprechend vergütet werden. Doch wie sieht es aus, wenn ein Arbeitnehmer am Montag einen Termin in einer anderen Stadt wahrnehmen soll und schon am Sonntag anreist? Der Sonntag ist normalerweise kein Arbeitstag. Hier wird die Reise dann vergütet, wenn vom Arbeitgeber ausdrücklich Arbeiten während der Reise angeordnet wurden. So etwa das Schreiben oder Beantworten von Mails während der Fahrt. Wenn der Arbeitnehmer auf der Rückfahrt wiederum Mails beantwortet, allerdings ohne die Anordnung des Chefs, dann darf er keine Verfügung erwarten. Der Arbeitgeber kann diese Stunden natürlich auch nachträglich genehmigen oder als Überstunden notieren.

Wichtig ist, dass Sie sich vor Antritt einer Dienstreise im Betrieb informieren, wie die Vergütung der Arbeitszeit erfolgen soll. Klären Sie im Vorfeld ab, was betrieblich als Arbeitszeit während einer Dienstreise geregelt ist.

Zählen die Freizeitaktivitäten während der Reise zur Arbeitszeit?

Es ist legitim, wenn sich der Geschäftsreisende seinen Aufenthalt angenehm gestaltet und neben den Terminen auf der Reise auch etwas erleben möchte. Das ist auch legitim, solange eben die Arbeit nicht unter dieser Freizeitgestaltung leidet. Die Arbeitszeit des Arbeitnehmers sollte 8 Stunden nicht überschreiten. In manchen Fällen sind auch 10 Stunden möglich. Dies setzt voraus, dass entsprechende Pausenzeiten eingeräumt werden. Nach Ende der Arbeit ist dem Arbeitnehmer eine Ruhezeit von mindestens 11 Stunden zu gewähren.

Ist es auch möglich, an Sonntagen zu arbeiten? Prinzipiell ist dies möglich, allerdings steht Ihnen dann gemäß § 11 ArbZG innerhalb der darauffolgenden 14 Tage ein Ersatzruhetag zu. Hierbei gilt die folgende Faustregel: Mindestens 15 Sonntage pro Jahr müssen beschäftigungsfrei bleiben. Ausnahmen bilden hier Gastronomiebetriebe, Krankenhäuser, Busfahrer, Piloten und Kapitäne.

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