So schön und berühmt ist der Botanische Garten in Gießen

botanischer garten gießen
Der Botanische Garten in Gießen ist der älteste botanische Garten Deutschlands, der noch bis heute an seinem originalen Standort platziert ist.

Zur Geschichte des Botanischen Gartens in Gießen

In den Jahren 1560 bis 1566 wurde die Stadt Gießen als Landesbefestigung mit Wällen und Bastionen auf großzügigem Areal (wieder-) aufgebaut. Eine wirklich große Befestigungsanlage mit einer Grundfläche, die von der späteren Stadt Gießen im Jahre 1850 noch nicht wieder vollständig ausgefüllt wurde. Noch heute können Sie im Anlagering den Verlauf der früheren Stadtbefestigung erkennen. Am östlichen Rand des früheren Festungswalls finden Sie den Botanischen Garten. Wallreste entdecken Sie unter einem künstlichen Hügel.

Gießen wurde im 19. Jahrhundert als „Gartenstadt“ bekannt. Der Festungswall wurde im frühen 19. Jahrhundert abgetragen. Nachdem der Graben zugeschüttet war, konnten diese Flächen begrünt werden. Der Anteil von Parkanlagen und Gärten lag bald schon bei über 50%. Private Gemüsegärten, Obst- und Lustgärten und eben auch der Botanische Garten zierten die Stadt. Auch die Schulen verfügten über einen eigenen Unterrichtsgarten, es gab einen Amtsgarten im Alten Schloss, sowie so manche Gartenwirtschaften, wie etwa „Steins´ Garten“, die am Ort des heutigen Hotels am Nahrungsberg zu finden war. Auch die Gründerzeitvillen befanden sich inmitten von parkähnlichen Grünflächen. Im Verlauf der Zeit nahm der Anteil der Gartenanlagen in Gießen in Relation zum Stadtgebiet ab. 1888 waren das noch rund 40%, heute 15%.

Die Gründung des Botanischen Gartens

Der Botanische Garten in Gießen ist nicht der älteste botanische Garten in Deutschland. Schon vorher waren entsprechende Gärten in Leipzig, in Eichstätt und in Heidelberg bekannt. Im Zuge der 1607 von Landgraf Ludwig V. gegründeten Universität von Gießen wurde auch ein Garten errichtet. Dieser fand seinen Ort am Brandplatz hinter dem Kollegiengebäude und reichte bis zur Sonnenstraße. Botanik wurde in dieser Zeit primär unter den Gesichtspunkten der Heilpflanzenkunde verstanden und so passte der botanische Garten hervorragend zur medizinischen Fakultät der Universität. Zunächst stand für den „Hortus Medicus“ (Garten für Heilpflanzen) eine Fläche von 1200 Quadratmetern zur Verfügung. Der Botaniker Ludwig Jungermann veröffentlichte in diesem Zusammenhang verschiedene Lokalfloren und auch die 1623 „Flora von Gießen“, die allerdings heute nicht mehr existiert. Ein Überwinterungshaus wurde im Jahre 1699 hinzugefügt und das erste Glashaus wurde im Jahre 1720 errichtet. Dieses Glashaus hatte bis 1859 Bestand. Die Bezeichnung „Botanischer Universitätsgarten“ ist bis zum Jahr 1733 dokumentiert.

Der Forstgarten

Die Forstwissenschaft wurde in Gießen von Friedrich Ludwig Walther (1759 bis 1824) geprägt. Walther legte im Jahre 1802 im östlich anschließenden Gelände den Universitätsforstgarten an. Hier konnte auch das ehemalige Gelände der Festungswälle mit eingesetzt werden. Im Jahre 1825 wurde der Forstgarten an den heutigen Platz am Schiffenberg verlegt. Der prächtige Baumbestand gehört aber heute noch zu den Wahrzeichen des Botanischen Gartens von Gießen. Im Jahre 1826 gelang es, die unterschiedlichen Anlagen zu einem großen Garten mit einer Fläche von drei Hektar zusammenzulegen. Bis heute ist die Dreiteilung von Hortus Medicus, den frühen Erweiterungsflächen und dem damaligen Forstgarten noch zu erkennen. Im Jahr 1880 zog die Universitätsverwaltung in das neue Hauptgebäude in der Ludwigstraße. In diesem Zusammenhang wurde auch das frühere Kollegiengebäude dem Botanischen Garten zugeteilt.

Prägende Leiter des Botanischen Gartens in Gießen

Johann Bernhard Wilbrand (1799 bis 1846) leitete ab 1817 den Botanischen Garten von Gießen. Wilbrand setzte die Zusammenlegung des Botanischen Gartens mit angrenzenden Forstgartengeländen um. Der Forstgarten war zunächst am Schiffenberg angelegt worden. Wilbrand veröffentlichte im Jahre 1824 den ersten Samenkatalog mit dem Titel „index seminum“. Wilbrand sorgte auch für einen regen Samentausch mit anderen Gärten. Insgesamt ist eine Vernetzung mit 24 anderen Botanischen Gärten bekannt.

Alexander Braun (1805 bis 1877) wurde nach der Ausgliederung aus der Fakultät der Medizin zum ersten Vertreter der Botanik in Gießen. Seine Dienstzeit betrog allerdings nur acht Monate. Als sein Nachfolger wurde Hermann Hoffmann (1819 bis 1891) zum Begründer der Phänologie. Adolf Hansen (1851 bis 1920) konzentrierte sich auf eine Umgestaltung des Gartens entsprechend neuerer systematischer Gesichtspunkte. Das Highlight des Gartens war bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts das Tropenhaus. Dieses wurde im Jahre 1944 im Krieg zerstört. Auch einige sehr alte und wertvolle Bäume gingen in diesem Zusammenhang verloren.

Der Wiederaufbau des Gartens nach dem zweiten Weltkrieg wurde maßgeblich von Ernst Küster (1874 bis 1853) geprägt. Sein Nachfolger Dietrich von Denffer (1914 bis 2007) erinnerte an Küster dann mit einem Denkmal. Denffer selbst zeichnete sich durch das internationale Standardwerk „Lehrbuch der Botanik für Hochschulen“ aus. Auch eine neue Abteilung für Heil- und Giftpflanzen, sowie die historische Abteilung wurden von Denffer geschaffen. Weiterhin werden das „Plateau mit der Gazelle“, das neue Alpinum und verschiedene Gewächshäuser mit Denffer in Verbindung gebracht. In dieser Zeit wurde der Botanische Garten von Gießen auch für das allgemeine Publikum vorbehaltlos geöffnet und die ersten Serenadenabende fanden statt. Im Jahre 1961 wurde gegenüber des Botanischen Gartens nach Plänen Denffers der Neubau des Botanischen Instituts begonnen.

Der Botanische Garten dient heute primär der Forschung und dem Unterricht für Studenten. Hierbei stehen Schwerpunkte wie Biologie, Geographie, Agrarwissenschaften, Medizin und Tiermedizin im Mittelpunkt. Rund 8000 unterschiedliche Pflanzen sind in deutscher und lateinischer Sprache beschildert. Der Haupteingang liegt in der Senckenbergstraße. Einen weiteren Zugang zum Garten gibt es von der Innenstadt aus.

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